„Wenn du jetzt gehst, dann lässt du uns alle im Stich.“ Diesen Satz fällt immer dann, wenn jemand die Segel streicht und ein Startup verlassen möchte.

Plötzlich war man ja quasi für den gesamten Erfolg des Startups verantwortlich – und gerade jetzt kann man nicht gehen, da das Team im Stich gelassen wird.

Aber betrachten wir die Sache nüchtern: Die Kultur im Startup lässt zu Wünschen übrig oder es werden für das Unternehmen augenscheinlich schlechte Entscheidungen getroffen. Soll man dem Schiff beim sinken zusehen, oder frühzeitig über Board gehen?

Um diese Entscheidung zu vereinfachen, möchte ich dir die folgende Geschichte erzählen:

Es war einmal im Silicon Valley …

Nicht jeder kann ein Unternehmen führen. Und so auch nicht der Nobel-Preisträger William Shockley. Im Jahr 1956 gründete er das erste Unternehmen in der Umgebung von Mountain View um Halbleiter-Bauelemente auf Basis von Silizium zu bauen. Shockleys Unternehmen „Shockley Semiconductor Laboratory“ legte damit den Grundstein für das heutige Silicon (=Silizium) Valley.

Chef als Motivator

Auf t3n.de habe ich darüber geschrieben, wie man als Chef sein Team motiviert. Zu den Tipps

Ihm gelang es acht junge PhD-Absolventen für das Unternehmen zu rekrutieren. Obwohl er jahrelange Erfahrung in der Forschung und Lehre hatte, erwartete er von sich gewünschte Ergebnisse, anstatt sich von der Forschung leiten zu lassen. Darüber hinaus führte seine Paranoia dazu, dass er selbst mit seinen acht wichtigsten Mitarbeitern nicht Einzelheiten der Forschung sprach – aus Angst zu viele „seiner“ Informationen Preis zu geben: Ihm war der Erfolg zu Kopf gestiegen.

Sein eigenwilliger Führungsstil führte außerdem dazu, dass alle acht sich beim alleinigen Anteilseigner dafür aussprachen, Shockley zu ersetzen. Da niemand gefunden werden konnte, wurden ihnen bewusst, dass sie nur etwas ändern konnten, wenn sie das Unternehmen verlassen würden. Was sie auch taten.

William Shockley verteufelte seine Ex-Mitarbeiter als Verräter. Und prophezeite ihnen, dass sie ohne ihn niemals Erfolg haben werden. Trotz einiger Erfolge wurde das Labor wenige Jahre später geschlossen.

Vertraue auf deine Fähigkeiten

Es scheint jetzt so, als hätte er recht behalten: Dadurch, dass die acht wichtigsten Mitarbeiter sich von ihm getrennt hatten, musste er das Labor schließen. In Wahrheit wollte Shockley aber auf den Halbleiterbau auf Basis von Silizium verzichten – eine schlechte Entscheidung, wie die Geschichte gezeigt hat.

Ja, das Arbeitsklima war furchtbar, nicht zuletzt durch die paranoiden Anfälle von Shockley. Aber die acht „Verräter“ hatten eines erkannt: Es wird ein schwerwiegender Fehler begangen, der in letzter Konsequenz auch wirklich das Aus für Shockleys Unternehmen bedeutete.

Wenn dich also ein Gründer versucht dir ins Gewissen zu reden – denk an die acht Verräter des Silicon Valleys.

Die acht „Verräter“ sind übrigens:

  • Robert Noyce und Gordon Moore, die Gründer von Intel
  • Eugene Kleiner, Co-Gründer der Risikokapitalgesellschaft „Kleiner Perkins“
  • Sheldon Roberts, Jean Hoerni und Jay Last, sie gründeten den Vorgänger von Teledyne
  • Julius Blank, Co-Gründer von Xicor
  • Victor Grinich, Professor in Berkeley und Stanford.

Aber auch für Gründer ist diese Anekdote wichtig, denn: Wenn dir deine wichtigsten Mitarbeiter aufzeigen wo du Fehler machst, dann sieh das nicht als Kritik sondern als Optimierungspotential.